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Gnoll
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On a Dragon's Wings
Huhu liebe Comm,
weil ich ne riesen Bücherratte bin will ich eigl. schon seit Ewigkeiten mal selbst zur Feder greifen, aber bisher hab ichs mich nicht wirklich getraut. Hab vorhin mal bissl was zustande gekritzelt. Es würde mich freuen, wenn va die "alten Geschichtenschreiberhasen" hier ein wenig kritisieren könnten. Ihr habt ja ein paar super spannende Geschichten geschrieben. Ich poste hier mal einen kleinen Teil des ersten (oder zweiten, das weiß ich noch nicht genau) Kapitels. 1. Raika Es war ein grauer Wintermorgen in Weremer. Raika stand an der Balkonbrüstung des Gebäudes, das sie Ihr Zuhause nannte und schaute in Richtung der Graufichten und Wurzeleiben des Yindrilwaldes. Ein lauer Wind streifte ihr langes Nachthemd und liebkoste ihr schwarzes Haar. Wie immer pflegte sie auch heute, mildes Blau zu tragen. Die Seide schmiegte sich behaglich an ihren schlanken Körper, doch sie fröstelte. Ihre seegrünen Augen blickten gedankenverloren in die Ferne. „Kind, komm herein. Hier draußen wirst du noch krank und nur der Herr weiß, wer dich alles sieht“. Freudestrahlend drehte sich Raika um und lachte schallend. „Moros, Ihr schleicht noch immer wie eine Waldkatze. Ich fürchte, dass ich vor euch in die ewige Dunkelheit treten werde, falls Ihr mich noch einmal so erschreckt“. Ihr Ziehvater war ein kleiner, alter Mann mit silbergrauem Haar und einem ständigen Lächeln in den grauen Augen. Moros Freudenthal trat an sie heran, sah sie prüfend an und runzelte die Stirn. Er schmunzelte, doch als er ihren fragenden Blick sah lächelte er und meinte „Raika, bald erkenne ich dich nicht wieder. Aus dem Kind, das deiner Mutter und mir vor sechzehn Sommern geschenkt wurde reift eine Frau heran“. Bei diesen Worten wurde Raika unwohl. Sie hatte ihre leiblichen Eltern nie kennengelernt und war daher eine Verstoßene. Moros und seine Frau Sylia Freudenthal hatten sie vor einem Leben als Hure und Rechtslose bewahrt. Als sie Moros’ Blick sah, lächelte sie ihn an und sagte „Danke, Vater. Darf ich fragen, weshalb Ihr mich so früh am Morgen in meinen Gemächern aufsucht?“. Wieder lächelte Moros und eine Strähne seines Haares fiel ihm ins Gesicht. „Darf ich nicht nach meiner Tochter sehen, wenn es mir danach beliebt? Du stehst in letzter Zeit so oft hier oben und brütest, Kind. Deine Mutter macht sich große Sorgen, zumal…“ Moros stockte. In der Ferne erklang ein schriller Ruf. Raika fuhr erschrocken herum und sah zum Wald hinaus, wo tief in dessen Innern ein Schwarm Dunkelkrähen aufstob und sich über die Wipfel der mächtigen Graufichten erhob. Wie eine unheimliche, schwarze Wolke wirkten die Vögel, bis sie sich hoch am Himmel teilten und jeder von ihnen seinen eigenen Weg einschlug, um weiterzuziehen. Moros Freudenthal lachte schallend und sprach weiter. „Mädchen, du bist noch genau so schreckhaft wie am ersten Tag. Du hättest die Augen deiner Mutter sehen sollen, als Callis dich, verlaust und verkommen wie du warst, zu uns brachte. Sylia liebte dich vom ersten Augenblick an“. Callis Methen war die Frau des Pastors von Weremer. Ein Gottesdiener fand Raika in einer lauen Sommernacht in Laken gehüllt auf der Treppe der Basilika und brachte sie zu Pastor Hogar. Sie hatte ihren ersten Sommer noch nicht erlebt. Von ihrer Mutter war keine Spur zu finden gewesen. Raika hatte es nie an Liebe gemangelt, doch trotzdem schrie ein Teil in ihr danach, ihre wahre Mutter kennenzulernen. Ihr Ziehvater unterbrach ihre Gedanken. „Deine Mutter und ich werden heute nach Melldorf auf den Markt gehen. Möchtest du uns begleiten?“ Melldorf war ein größerer Ort in der Nähe von Weremer, etwa eine Fußstunde entfernt. Traurig antwortete Raika „Vielen Dank, Moros. Ich fürchte, ihr müsst ohne mich auf den Markt gehen. Mir geht es heute nicht gut“. Als sie Moros’ besorgten Blick bemerkte fügte sie schnell hinzu „Ich brauche nur ein wenig Ruhe. Vielleicht eine oder zwei Glocken Schlaf, dann geht es mir mit Sicherheit wieder besser“. Ihr Ziehvater sah sie eindringlich an, sagte dann aber „Leg dich hin, Kind. Deine Mutter und ich werden wieder hier sein, wenn der Abend dämmert. Wir werden in Melldorf noch alte Freunde besuchen“. Bevor sie etwas erwidern konnte, drehte er sich um und ging. Raika wusste, dass ihre Eltern sich gefreut hätten, wenn sie mit nach Melldorf gegangen wäre. Ebenso gut wusste sie aber auch, dass in Melldorf Brandir Welck lebte, der Spross einer wohlhabenden Familie. Sie war im heiratsfähigen Alter und Moros hatte in letzter Zeit verdächtig oft von Brandir gesprochen. Er war der älteste Sohn eines gutaussehenden Kaufmannes und würde in einigen Jahren dessen Handelshaus erben. Wie sein Vater auch war Brandir groß gewachsen, stattlich gebaut und hatte hellbraunes Haar, das in Locken auf seine Schultern fiel. Doch wie sein Vater war auch er vor allem eines - arrogant. Außerdem wollte Raika nicht heiraten. Und Kinder bekommen wollte sie auch nicht. Ein kalter Windhauch riss sie aus ihren Gedanken. Die feinen Haare an ihren Armen und überall an ihrem Körper stellten sich auf und die zarten, kleinen Blüten ihrer Brüste wurden hart und drückten sich an ihr Nachthemd. Ihr Ziehvater hatte Recht, sie sollte wieder ins Haus gehen. Sonst würde sie vermutlich wirklich krank werden. Danke schonmal für die Kommentare und die Kritik! LG Kathi |
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Arakkoa
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Hmm interessant ist es auf jedenfall schonmal. Aber als Fantasybuchvernichter sind mir ein paar Sachen (etwas negativ) aufgefallen:
- am Anfang gibst du meiner Meinung nach zuviel Gas was Erklärungen der Welt usw. angeht. Trenn die Sätze dann lieber etwas und füll sie etwas aus. Wenn du Wert drauf legst die Umgebung und Charaktere "visuell" vor zu geben, dann lieber in einfacheren aber mehreren Sätzen. - Die Gespräche finde ich sehr... Wie soll ich sagen... Sie fühlen sich irgendwie falsch an. Sie sind so extrem anders als man erwartet. Bsp.: "2-3 Glockenschläge" "16 Sommer" du lässt sie ihren (zeih)Vater mal Vater nennen, mal moros. Bitte da etwas konsequenter. - Zwischen und nach den Gesprächen gefällt mir dein schreibstil eigentlich sehr gut. Da habe ich außer dem gesprächspunkt nichts zu meckern. Während ich das schreibe, hatte ich 2-3 mal wieder über deinen Text gelesen und es bestärkt mich in meiner Kritik. Es fühlt sich so an, als hättest du Probleme "anzufangen" was sich aber nach wenigen Zeilen legt. Du solltest also aufpassen, ob dir das nur bei der Geschichte am Anfang so geht, oder ob das bei jedem Kapitel so ist. Ein ständiges schreibtechnisches hoch und tief motiviert nicht zum weiterlesen. Dann lieber ein Kapitel schreiben, Pause machen und den anfang überarbeiten. Ich kenne das problem. Hatte auch mal angefangen ein kurz-Buch zu verfassen und hatte auch das Problem nach längeren Pausen wieder rein zu kommen. Bei mir hat damals ein guter Freund drüber gelesen und Vorschläge gemacht wo es sich nicht rund anfühlt. Bleib aber auf jedenfall bei der Sache. Der Anfang liest sich schonmal ganz nett. Wenn du weitere fragen hast, oder meine Kritik magst und ich weitere Kapitel Probelesen soll, meld dich einfach per PN. Bei sowas helfe ich immer gerne :) Gruß Riku (@iPhone-tapatalk) |
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Gnoll
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Super, danke dir für deine Kritik.
Wenn man selbst davor sitzt und zum abertausendsten Mal drüber liest, sieht man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ich merk auch, dass ich mir viel zu viele Gedanken gemacht hab, die so gar nicht rüber kommen. Beispielsweise, dass sie Ihren Ziehvater Mal Moros und mal Vater nennt. Damit wollte ich eigtl zeigen, dass sie da selbst zwiegespalten ist und nicht recht weiß, was dieser Mann nun wirklich für sie sein soll. Aber stimmt schon, es liest sich etwas "strange". Beim Anfang hatte ich ein wenig das Problem, in die Situation zu finden. Das liest sich in den Romanen immer so fix, ist aber gar nicht so leicht. Wenn man dann mal ein wenig hat, dann gehts deutlich besser (liegt vielleicht an der schon vorhandenen Substanz). Über den Anfang werd ich vermutlich morgen nochmal drüber gehen, da mir gerade partout nichts Besseres einfallen will. Die Sätze "entschlacke" ich gleich noch etwas und versuche die Situation ein wenig mehr zu "modellieren". Sprich die Situation anschaulicher zu gestalten. Das Stück ist während der Mittagspause entstanden. Da hatte ich vorhin in der Bahn noch ein wenig drüber korrigiert. In jedem Fall hilft es, wenn jemand drüber liest, der nicht die ganze Zeit wie ein Ochs vorm Berg davor hockt und eine neutralere Sichtweise als man selbst drauf hat. In dem Fall danke ich dir, dass du den ersten Teil des Kapitels gelesen hast und ihn kritisiert hast. Ich freu mich immer darüber, wenn viel angemerkt wird, weil erst dann eine hilfreiche Diskussion zustande kommen kann. Daher lass ich vermutlich meinen Freund nicht unbedingt drüber lesen (der findet eh alles gut, was seine freundin macht *lach*) Du hast geschrieben, dass du selbst an nem Buch bist/warst. Bist du damit fertig? Darf man da mal ein wenig rein schmökern? :) Würde mich freuen und nochmal vielen Dank für deine Hilfe :) Verbesserung und weiterführender Teil folgen morgen *gg* LG Kathi |
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Arakkoa
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Letzte gerettete Fassung ist per PN raus an dich :) viel Spaß, und Kritiken usw. bitte per PN damit das hier DEIN Thread bleibt :)
Gruß Riku (@iPhone-tapatalk) |
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Gnoll
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So, nun die überarbeitete Version:
1. Raika Es war ein grauer Wintermorgen in Weremer. Raika stand an der Balkonbrüstung des Gebäudes, das sie Ihr Zuhause nannte. Sie schaute in Richtung der Graufichten und Wurzeleiben des Yindrilwaldes. Die mächtigen Bäume ragten wie stumme Riesen hoch in den Himmel. Die Größten unter ihnen waren so schmal und so hoch, dass sie zu zerbrechen drohten. Verschiedene Vogelrufe drangen aus dem Wald. Wildtauben gurrten, Raubvögel kreischten und in weiter Ferne klopfte ein Federspecht sein Heim in einen der Bäume. Ab und zu verständigten sich Wölfe durch vereinzeltes Heulen und Jaulen miteinander. Ein lauer Wind streifte Raikas langes Nachthemd und liebkoste ihr schwarzes Haar. Wie immer pflegte sie auch heute, mildes Blau zu tragen. Die Seide schmiegte sich behaglich an ihren schlanken Körper, doch sie fröstelte. Ihre seegrünen Augen blickten gedankenverloren in die Ferne. »Kind, komm herein. Hier draußen wirst du noch krank und nur der Herr weiß, wer dich alles sieht«. Freudestrahlend drehte sich Raika um und lachte schallend. »Vater, Ihr schleicht noch immer wie eine Waldkatze. Ich fürchte, dass ich vor euch in die ewige Dunkelheit treten werde, falls Ihr mich noch einmal so erschreckt«. Ihr Ziehvater, Moros Freudenthal, war ein kleiner, alter Mann mit silbergrauem Haar und einem immerwährenden Lächeln in den grauen Augen. Er trat an sie heran, sah sie prüfend an und runzelte die Stirn. Er schmunzelte, doch als er ihren fragenden Blick sah lächelte er und meinte »Raika, bald erkenne ich dich nicht wieder. Aus dem Kind, das deiner Mutter und mir vor sechzehn Sommern geschenkt wurde reift eine Frau heran«. Bei diesen Worten wurde Raika unwohl. Sie hatte ihre leiblichen Eltern nie kennengelernt und war daher eine Verstoßene. Moros und seine Frau Sylia Freudenthal hatten sie vor einem Leben als Hure und Rechtslose bewahrt. Als sie Moros’ Blick sah, lächelte sie ihn an und sagte »Danke, Vater. Darf ich fragen, weshalb Ihr mich so früh am Morgen in meinen Gemächern aufsucht? «. Wieder lächelte Moros und dabei fiel ihm eine Haarsträhne ins Gesicht. »Darf ich nicht nach meiner Tochter sehen, wenn es mir danach beliebt? Du stehst in letzter Zeit so oft hier oben und brütest, Kind. Deine Mutter macht sich große Sorgen, zumal…« Moros stockte. In der Ferne erklang ein schriller Ruf. Raika fuhr erschrocken herum und sah zum Wald hinaus, wo tief in dessen Innern ein Schwarm Dunkelkrähen aufstob und sich über die Wipfel der mächtigen Graufichten erhob. Wie eine unheimliche, schwarze Wolke wirkten die Vögel, bis sie sich hoch am Himmel teilten und jeder von ihnen seinen eigenen Weg einschlug, um weiterzuziehen. Moros lachte schallend und sprach weiter. »Mädchen, du bist noch genau so schreckhaft wie am ersten Tag. Du hättest die Augen deiner Mutter sehen sollen, als Callis dich, verdreckt und verkommen wie du warst, zu uns brachte. Sylia liebte dich vom ersten Augenblick an«. Callis Methen war die Frau des Pastors von Weremer. Ein Gottesdiener fand Raika in einer lauen Sommernacht in Laken gehüllt auf der Treppe der Basilika und brachte sie zu Pastor Hogar. Sie hatte ihren ersten Sommer noch nicht erlebt. Von ihrer Mutter war keine Spur zu finden gewesen. Raika hatte es nie an Liebe gemangelt, doch trotzdem schrie ein Teil in ihr danach, ihre wahre Mutter kennenzulernen. Ihr Ziehvater unterbrach ihre Gedanken. »Deine Mutter und ich werden heute nach Melldorf auf den Markt gehen. Möchtest du uns begleiten? « Melldorf war ein größerer Ort in der Nähe von Weremer, etwa eine Fußstunde entfernt. Traurig antwortete Raika »Vielen Dank, Vater. Aber ich fürchte, ihr müsst ohne mich auf den Markt gehen. Mir geht es heute nicht gut«. Als sie Moros’ besorgten Blick bemerkte fügte sie schnell hinzu »Ich brauche nur ein wenig Ruhe. Vielleicht eine oder zwei Glocken Schlaf, dann geht es mir mit Sicherheit wieder besser«. Ihr Ziehvater sah sie eindringlich an, sagte dann aber »Leg dich hin, Raika. Deine Mutter und ich werden wieder hier sein, wenn der Abend dämmert. Wir werden in Melldorf noch alte Freunde besuchen«. Bevor sie etwas erwidern konnte, drehte er sich um und ging. Raika wusste, dass ihre Eltern sich gefreut hätten, wenn sie die beiden nach Melldorf begleitet hätte. Ebenso gut wusste sie aber auch, dass in Melldorf Brandir Welck lebte. Raika war im heiratsfähigen Alter und Moros hatte in letzter Zeit verdächtig oft von Brandir gesprochen. Er war der älteste Spross eines wohlhabenden Kaufmannes und würde in einigen Jahren dessen Handelshaus erben. Wie sein Vater auch war Brandir groß gewachsen, stattlich gebaut und hatte hellbraunes Haar, das in Locken auf seine Schultern fiel. Doch wie sein Vater war auch er vor allem eines - arrogant. Raika erinnerte sich daran, als sie Brandir zum ersten Mal gesehen hatte. Es musste drei oder vier Sommer zurückliegen. Mit ihren Eltern war sie in Melldorf bei den Welcks’ eingeladen gewesen. Das Gebäude war riesig, in jedem Raum hingen schwere, gewebte Teppiche von den Wänden. Im Essenssaal stand ein großer Kamin, der im Winter bestimmt eindrucksvoll aussehen musste. An dem großen Holztisch aus massivem Ebenholz fanden zehn Gäste Platz. Das Besteck war aus schwerem Gusseisen gefertigt und die Teller bestanden aus glänzend lackiertem Ton. Noch eindrucksvoller war das Mahl gewesen, das die Welcks’ vorbereitet hatten. Es hatte Spanferkel und Rüben gegeben. Frisches Brot und allerlei Obst war von den Haussklavinnen aufgetragen worden. Raika hatte Gewürze gegessen, deren Namen sie vorher mitunter nicht einmal kannte. So gab es Rundkümmel und aromatischen grünen Curry aus den östlichen Königreichen, schwarzen Zucker aus Xantyr und Tchenchpulver aus den freien Städten jenseits des großen Sees. Raika saß neben Tjord Welck, dem Vater Brandirs. Tjord war auf den ersten Blick ein sehr zuvorkommender und höflicher Mann gewesen. Er hatte Raika von den aufgetischten Speisen angeboten und ihren Geschichten gelauscht. Insgesamt hatte es sich um einen wundervollen Abend gehandelt – bis eine der Sklavinnen ein Tablett voll Gläser roten Weines aus Xantyr fallen ließ. Wie sie es gewohnt war, war Raika sofort aufgesprungen, um dem zitternden Mädchen zu helfen. Da hörte sie die donnernde Stimme Tjords »Wurdest du so erzogen, Mädchen?«. Eisige Stille herrschte dort, wo vorher gescherzt und gelacht wurde. Raika blickte fragend zu Moros und dieser antwortete an ihrer Stelle »Tjord, du weißt doch wie Kinder in diesem Alter sind. Ihnen Sitten beizubringen benötigt seine Zeit. Aber ich versichere dir, dass sie ein gutes Mädchen ist und wir ihr auch den Anstand lehren werden, der einer jungen Dame gebührt«. An Raika gewandt fuhr er fort »Kind, steh auf und setz dich zurück an deinen Platz!«. Die plötzliche Schärfe in der Stimme ihres Ziehvaters hatte Raika damals sehr erschreckt und so setzte sie sich ohne ein weiteres Wort zu sagen. Brandir wandte sich an Tjord »Seht ihr, Vater? Ich sagte euch doch, dass dieses Mädchen nichts als eine unerzogene Waise ist. Vermutlich war ihre Mutter eine Hure und ihr wisst, dass diese Sünden von der Mutter zur Tochter gegeben werden. Ich möchte nicht länger mit diesem Abschaum in einem Raum sitzen. Ihr entschuldigt mich?«. Ohne eine Antwort abzuwarten war Brandir damals aufgestanden. Obgleich sie jung gewesen war – Raika war nie dumm gewesen. So hatte sie damals sehr wohl verstanden, was Brandir von ihr hielt. Auch die Entschuldigungen seiner Mutter und die Beteuerungen Sylias konnten sie nicht umstimmen. Ein kalter Windhauch riss sie aus ihren Gedanken. Die feinen Haare an ihren Armen und überall an ihrem Körper stellten sich auf und die zarten, kleinen Knospen ihrer Brüste drückten sich an ihr Nachtgewand. Ihr Ziehvater hatte Recht, sie sollte wieder ins Haus gehen. Sonst würde sie vermutlich wirklich krank werden. Noch einmal sah sie hinaus zum Wald, wo vereinzelt noch immer die Krähen über den Baumwipfeln ihre Kreise zogen. Raika fragte sich, was die Krähen vorhin aufgeschreckt hatte und vor allem, warum sich so viele Krähen an demselben Ort aufhielten. Betrübt schüttelte sie den Kopf. Was brachte es, sich über ein paar Vögel Gedanken zu machen? Sie sollte sich lieber anziehen, sich bei ihrem Ziehvater entschuldigen und mit ihren Eltern nach Melldorf auf den Markt gehen. Raika ging zurück in ihr Schlafgemach, schloss die Balkontür und trat an ihren Kleiderschrank. Gerade als sie die Schranktüren öffnen wollte, hörte sie von unten eine dunkle, barsche Männerstimme brüllen. Moros Freudenthals’ Stimme antwortete besänftigend, woraufhin die unbekannte Stimme etwas ruhiger schien. So sehr Raika sich auch bemühte, konnte sie doch kein Wort der Unterhaltung verstehen. Eine schiere Unendlichkeit später hörte sie die Tür knallen. Schnell streifte sie sich ein himmelblaues Seidenkleid über und lief die Treppen zu ihren Eltern hinunter. Moros und Sylia Freudenthal saßen an dem kleinen Esstisch im Wohngemach. Die alte Frau saß schluchzend über den Tisch gebeugt und ihr Mann streichelte ihr über den Rücken und flüsterte beruhigend auf sie ein. Raika war sich unsicher, was sie tun sollte. »Vater, ich habe Stimmen gehört. Weshalb weint Mutter?«. Sylia sah auf und wischte sich ein Rinnsal Tränen von der Wange. Ihre smaragdgrünen Augen waren durch das salzige Tränenwasser rot und aufgequollen und ihr schönes von weißen Strähnen durchzogenes blondes Haar war durcheinander. Sie sah älter aus als die einundfünfzig Sommer, die sie zählte. »Raika, was tust du hier? Moros erzählte mir, du gedachtest zu schlafen« antwortete Sylia an Moros’ statt. Moros richtete sich auf und ging gebeugt auf Raika zu. Auch aus seinen Augen war das Lächeln gewichen und zu Raikas Erstaunen fand sich grenzenlose Trauer in ihnen. Moros sah sie lange an, bevor er sagte »Kind, würdest du mit deinem alten Vater eine Runde ums Haus gehen? «. Raika wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Nie hatte sie ihren Ziehvater so gesehen. Wortlos hakte sie seinen Arm unter und geleitete ihn nach draußen. Etwa eine halbe Glocke waren sie nun Arm in Arm gegangen. Sie stützte ihn, wenn er wankte und er dankte es ihr, indem er schwieg. Sie hatten Weremer verlassen und befanden sich auf dem breiten Schotterweg, der nach Melldorf führte. Westlich des Weges begannen die Ausläufer des Yindrilwaldes, in dem im Laufe der Jahre viele Wanderer verschollen waren. Man erzählte sich viele Geschichten über den Wald. So erzählten sich die alten Weiber im Dorf, dass die Wölfe tief im Wald so groß wie ausgewachsene Pferde seien, mit einem Fell wie schwimmende Schatten und sie jagten Mammuts. Es hieß auch, dass die letzten Bergtrolle in diesem Wald lebten. Bergtrolle waren böse Wesen, doppelt so groß wie die hünenhaftesten Männer und sie waren mit Wolfspelzen bekleidet und mit Knüppeln aus Holz bewaffnet, mit denen sie den Männern und Frauen die Knochen und Gelenke zerschmetterten. Kleinen Kindern rissen sie bei lebendigem Leibe Arme und Beine aus, hieß es in den Geschichten. Raika glaubte keine der Geschichten wirklich, doch hatte der Wald trotzdem etwas Unheimliches an sich. |
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Arakkoa
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So. Da sich außer mit hier wohl keiner äußert und die Autorin wohl etwas Antrieb braucht, melde ich mich noch einmal zu Wort. Zuerst meine Sicht des neuen anfangs:
Sehr gut! Es liest sich jetzt weitaus flüssiger, angenehmer und flotter. Ich weiß jetzt nicht ob es ein bewusster stilwechsel ist, oder ob es eher ein Versehen war: behalte auf jedenfall die kleinen Sprünge in der Story bei!!! Ich meine du fängst bei Raika an, wanderst etwas über characterentwicklung über Gespräche zur Vergangenheit wieder ins jetzt usw. Dieser Stil gefällt mir weitaus besser wie wenn du erst zu jedem Kapitel springst. Man erfährt ständig neues, ohne die haupthandlung zu vergessen. Weiter so. Grammatisch und literarisch würde ich auch nahezu nichts wechseln. Ich hätte zwar manche Formulierungen anders gewählt, aber ich freue mich weiter zu lesen und zu sehen wie sich dein eigener schreibstil auf längere Sicht verhält. In Hoffnung bald mehr zu lesen, Gruß Riku (@iPhone-tapatalk) |
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Gnoll
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dankeschön, Riku :)
Ich muss zugeben, dass ich es sehr schleifen lassen hab... Studium war/ist gerade ziemlich stressig, zumal ich jetzt auch in nem Stammraid gelandet bin und da dann freizeitlich gefordert werde (zumal unser Maintank gestern Papa wurde *jubel jubel* und ich jetzt noch mehr ran darf *gg*)... Werde aber heute vermutlich nochmal ein bisschen krickeln. Hab gerade richtig Lust drauf. Marketing kann unglaublich langweilig sein xD Ich versuche, den Stil beizubehalten :) Danke :* LG Kathi
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Hogger
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Es ließt sich wirklich sehr gut und ich bin schon gespannt wie es weiter geht :)
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